„Che bella macchina“ – auch Italiener waren begeistert
Die 13. Rallye ADAC Württemberg Historic führte durch den nördlichsten Teil Württembergs
Auf schmalen Reifen tuckern über hundert Oldtimer auf kleinen Straßen vorbei an saftiggrünen Wiesen, durch die sich malerisch kleine Bäche schlängeln, dem fernen Ziel Bad Mergentheim entgegen. Die strahlende Sonne küsst nicht nur die Zuschauer und Teams, sondern schickt einen hellen Gruß an den ADAC Württemberg als Veranstalter. Zu kitschig formuliert? Dann waren Sie nicht bei der Rallye ADAC Württemberg Historic vom 13. bis 15. Mai 2011 dabei!
Offizielle Zaungäste kamen zu der beliebten Ausfahrt sogar aus Italien angereist – und auch die waren begeistert. Sechs Journalisten aus dem Bereich Motorsport und Touristik waren von Stuttgart Marketing eingeladen worden und trafen sich mit den Teilnehmern der ADAC-Oldtimerausfahrt an der berühmten Götzenburg in Jagsthausen. Dort bestaunten die Italiener natürlich einen Rallye-Fiat 131 genau so wie einen Ferrari 512 BB, doch auch die Porsche 356 oder die Mercedes-Pagoden-Cabrios fielen ihnen ins Auge. Sicherlich war es auch das italienische Lebensgefühl für schöne Autos – doch immer wieder brachen sie angesichts der automobilen Schönheiten rund um das Berlichingen-Gemäuer in wahre Begeisterungsrufe aus, wenn sie einen noch schöneren Oldtimer entdeckt hatten: „Che bella macchina“ – Was für ein schönes Auto.
Die „Automobilisti“ aus Turin, Mailand und Neapel waren beileibe nicht die einzigen, die sich für die hochglanzpolierten Raritäten begeisterten. Schon am Freitag beim Prolog in Bad Mergentheim waren die Zuschauer nicht aus dem Staunen herausgekommen, als die rollenden Schmuckstücke der Teilnehmer an der 13. Auflage der Rallye vom Streckensprecher vorgestellt wurden. Die Faszination Oldtimer fand sich auf der gesamten Strecke wieder – egal ob in Döttingen, Rot am See, Creglingen, in Distelhausen, Wertheim oder Markelsheim, wo bei der Zwischenstation ein Tag der offenen Kellertür die Teilnehmer zum Rundgang einlud.
Bereits am Freitagabend hatte es genug Raum für die Benzingespräche gegeben, als eine Führung durch das bestens erhaltene Schloss Weikersheim mit seinem barocken Garten auf die Teilnehmer wartete. Da wurden alte Bekannte begrüßt, neue Freundschaften geschlossen, Anekdoten erzählt und voller Spannung auf den Start am nächsten Tag gewartet. Und jeder war natürlich stolz auf seinen Oldtimer. Wie der Schweizer Jean-Francois Wulpillier aus Reichenburg. Der Eidgenosse genoss die bewundernden Blicke auf seinen Aston Martin, Baujahr 1957 und wurde nicht müde in bestem Schwizerdütsch sein Fahrzeug immer wieder zu erklären: Sechs Zylinder, ein spezieller Zylinderkopf aus einem Aston Martin DB3S-Rennwagen, drei offene Weber-Doppelvergaser („da musst du bei viel Staub eben ein wenig Abstand zum Vordermann halten“), 2,9 Liter Motor mit 210 PS und lackierte Speichenfelgen. 16 Plaketten im Motorraum zeugen von den Rennen, die der stattliche „Brite“ in den USA absolviert hatte. Doch während der Schweizer ein erfahrener Profi in Sachen Gleichmäßigkeitsfahrten ist, war sein Nachbar ein (auffälliger) Neuling: Dieter Rinker ist Dachdeckermeister und hat sich einen Chevrolet Impala Cabrio, Baujahr 1960, zugelegt. Als der Heilbronner vor fünf Jahren das Auto kaufte, war es Schrott – der Baumeister nahm sich der Sache an, polierte seinen 8-Zylinder mit 5,3 Litern Hubraum, aus dem 360 Pferdchen kommen, auf. Als er dann noch mitbekam, dass der Chevy einstens dem Rock’n’Roller Jerry Lee Lewis gehört hatte, war es um ihn geschehen. Eine Elvis-Puppe mit Mikro auf dem Rücksitz, Fuchsschwanz an der Antenne, stilgerecht gekleidet in Cowboy-Stiefeln, mit zur roten Lackierung passender Kleidung – die USA ließen grüßen. Dieter Rinker nahm als Touristiker an der Württemberg Historic teil, hatte somit vier Gleichmäßigkeitsprüfungen zu absolvieren. Doch die nahm er mit texanischer Gelassenheit: „Uhr brauch ich keine – ich fahr’ nach Gefühl“.
Da wurde es für die 74 Starter bei der Gleichmäßigkeitsfahrt schon ernster. Einige mit Helm und Sprechfunk ausgerüstet, fast alle mit verschiedenen Uhren am Armaturenbrett, ging es in die Prüfungen. Das Wetter spielte großteils mit auf den schönen Kilometern durch die Region Taubertal und Hohenlohe – aber Rallyeteilnehmer nahmen auch den nassen Gruß von oben gelassen, wie am Samstagabend bei der Zielankunft auf dem Marktplatz in Bad Mergentheim. Das Musik-Chorps des Deutschordens mit den Fahnenschwenkern war noch im Trockenen aufgetreten, dann wurde es von oben feucht. Was aber der guten Laune der Oldtimerfreunde keinen Abbruch tat. Sie wussten: Das Best Western Parkhotel und ein bunter Abend in der Wandelhalle warten auf sie.
Dort bedankte sich dann Manfred Rückle, Sportleiter des ADAC Württemberg, auch bei den über 100 Streckenposten aus vielen Ortsclubs in Württemberg. „Es funktioniert nur, wenn alles ineinander greift, viele opfern dafür ihre Freizeit“, verdeutlichte Rückle und lobte die Teilnehmer. „Sie sind wichtigster Teil dieser Veranstaltung“. Jene durften sich dann auch noch auf die Wertung der Jury für den Concours d’ Elegance freuen. Matthias Runar und Engelbert Rozyn hatten sich die Prachtstücke genau unter die Lupe genommen – und zehn Fahrzeuge ausgewählt, die sich am Sonntag im Ziel noch einmal gesondert präsentieren durften. Wie etwa der Porsche 356 B Cabrio von Friedrich und Hildegard Ströbel aus Schrozberg. Die gnädige Frau hatte sich stil- und farbgerecht auf den Sportwagen aus Zuffenhausen eingestellt und verraten: „Den schwarz-gelben Rock habe ich schon seit fünf Jahren. Eigentlich habe ich zwei, die meine Freundin genäht hat, denn wir fahren begeistert Oldtimerfahrten mit und da brauche ich schon einen Ersatzrock“. Eine von vielen schönen Geschichten der Rallye ADAC Württemberg Historic 2011.







